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Kenyan Top Bar Hive

Platz-, zeit- und kostensparendes Hobbyimkern mit beweglichen Waben ohne schweres Heben. Einfacher Selbstbau aus Holz und Verzicht auf belastete Wachsmittelwände und Kunststoffwaben.

Genau hingeschaut...

Die Top-Bar-Hive (im Prinzip ein riesiges Kirchhainer Begattungskästchen) wurde als Hilfe für Afrika entwickelt. Vielleicht hilft es uns jetzt die Imkerei in Deutschland flächendeckend zu erhalten.

Ein Flugloch ist auf dieser Abbildung mit Gras zugestopft. Die Pfähle sind mit Leisten verstärkt, um die Standsicherheit zu vergrößern. Der Deckel wird durch Draht gesichert, der um Schrauben oder Ösen gedreht (gerödelt) wird.

Aufsicht auch die Beute mit der oberen Abdeckung durch die einzelnen Top-Bars (Oberträger). Die Oberträger sind Deckbrettchen, Rähmchen und Bienenabstandseinrichtung in einem (Breite in Afrika 32 mm und in Deutschland 35 mm). Da ich keine Hartholzleisten bekommen habe, verwende ich als Rohstoff Konstruktionsleisten (diese besitzen bereits die notwendigen Grundmaße 35 x 17 mm). Auf die Top-Bars lege ich noch eine unbitumierte Dämmplatte als Isolierung (und 2 Leisten), damit zwischen Blech und Dämmplatte ein Luftraum bleibt. Im Gegensatz zum normalen Bienenkasten kommen die Bienen nie mit der Dämmplatte in Berührung, wenn die Oberträger auch als Deckel fungieren und keine Folie verwendet wird, die oft nicht wirklich dicht abschließt, so dass diese nicht abgenagt wird.Die Dämmplatte wird beim Arbeiten am Bienenvolk an die Fluglochleiste angelehnt oder besser schräg nach oben unter das Flugloch aufgestellt, damit die Platte bei Bewegungen des Kastens nicht mit den ansitzenden Bienen herunterfällt und dient als Aufsteighilfe für abgestoßene bzw. abgefegte Bienen. Dazu darf der Abstand nur wenige Millimeter betragen, um den Bienen einen direkten Aufstieg zu ermöglichen, ohne dass die jungen Bienen sich für längere Zeit als Traube unter der Rückkante aufhängen.
Wenn ein Teil des Raumes noch nicht mit Waben gefüllt ist, können die Bienen auch direkt in den Kasten abgefegt, -geschüttelt oder geschlagen werden. Wichtig ist, dass dieselben Bienen während einer Bearbeitung nicht mehrfach abgestoßen werden. Denn dies kann die Gemüter schmerzlich erhitzen. 

Abfegen auf DämmplatteAbfegen auf Dämmplatte

Durch Klopfen mit den Fingern kann, man hören, an welche Top-Bars bereits angebaut wurde. (Top-Bar-Xylophone)

 


 

An der Seite befinden sich zwei Drahtschlingen. Eine Lange dient zum Aufhängen. Diese "Aufstellung" hilft in Afrika gegen Honigdachse, Termiten und Ameisen. In Deutschland schützt sie gegen Ameisen und Rempeleien mit dem Rasenmäher. Zudem ist die Beute auf diese Weise besonders leicht auszurichten. Die negativen Auswirkungen auf das Umfeld sind besonders gering, da nur zwei Pfähle eingeschlagen werden müssen, die sich noch leichter wieder entfernen lassen und in keine dauerhaften Spuren hinterlassen. Unter der Beute kann weiter Gras waschen. Aufwendige Bienenhäuser und ähnliches sind beim Imkern mit der TBH nicht nötig. Darunter habe ich noch eine zweite Schlinge angebracht, in die ein Holzgriff gesteckt werden kann, wie dies auf der unten folgenden Abbildung dargestellt ist.





Beim Bau der ersten Oberträgerbeute habe ich das Anflugbrett bewusst kurz gehalten, um dieses wieder auszugleichen, hatte ich im Sommer 2006 ein Flugbrettchen mit Draht vorgehängt.

Wie hier zu sehen ist, ist auch der Deckel mit zwei Drähten gesichert. Die Schraubösen dienen zum Feströdeln der Haltedrähte sowie für Auflageleisten, Unterbodenbrett (Windel) und Flugbrett.

 


(Weiß sich der Imker keinen Rat, nimmt er ein Stück (Waben-)draht.)


An der Stirnseite ragen 2 Schrauben aus der Verschlussleiste des zweiten verschlossenen Frontfluglochs. In dieser Art kann die Verschlussleiste mit den Schrauben bewegt werden. Alternativ werden die Schrauben von unten eingeschraubt, um das Frontflugloch fest zu verschließen. Bei Hauptnutzung des Fluglochs auch der Stirnseite, könnte ein Flugbrettchen eingehängt werden. (Auf dieses zweite Flugloch habe ich bei späteren Oberträgerbeuten verzichtet.)

Schemaskizze Einsteckflugbrettchen


Teilgeöffnetes Frontflugloch für einen Zwischenableger.

Wenn nötig kann auch in der Top-Bar-Hive ein einfaches Schied mit Absperrgitter eingesetzt werden. Hier kann es sein, dass man Leisten zur bodennahen Abdichtung braucht, weil der Bau mit Stichsäge bzw. Handkreissäge zu Ungenauigkeiten in der Beute führt. (Die maximale Breite der Beute ergibt sich durchs Handling und die Größe der Standardbleche (100 x 60 cm) fürs Dach.)

 

 

Viel Lärm um nichts!

 

Das Thema Absperrgitter in der Oberträgerbeute wird immer wieder neugierig hinterfragt. Dabei gibt es zwei Gründe, warum dies eigentlich vollkommen übertrieben ist.

 

1. Durch die Trogform in einer Linie ist es besonders leicht ein Absperrgitter für die Oberträgerbeute zu bauen. Man fertigt ein passendes Schied an und sägt in die Mitte einen möglichst großen Ausschnitt auf den man ein deckendes Absperrgitter tackert. Fertig. Da der Selbstbau die Anfertigung passgenauer bienendichter Schiede erschwert, kann man in der Beute auch eine Führungsnut aus zwei Leistenstreifen einsetzen. Wenn man mit den Oberträgern etwas vorsichtig hantiert stören diese beim normalen Imkern kaum. Man ist allerdings nicht mehr frei an welche Stellen in der Beute man das Absperrgitter (oder dichtes Schied) einhängt.

 

2. Eigentlich braucht man gar kein Absperrgitter. Wenn die Fluglöcher ordentlich verteilt sind (Konzentriert an einer Seite oder in der Mitte) ergibt sich auch ohne Absperrgitter eine klare Raumordnung zwischen Brut- und Honigbereich. Dabei befindet sich der Brutbereich stets in Fluglochnähe. Wen man Waben nicht mehr bebrütet haben möchte hängt man diese (mit gedeckelter Brut) nach hinten in den Brutbereich oder bis zur Honigernte beziehungsweise Entnahme für einige Zeit einfach hinter das, noch einfacher herzustellende, nicht bienendichte Schied, außerhalb des Bienensitzes. Die Bienen räumen die Vorräte aus diesen Waben bevorzugt in den Honigraum um, neue Brut wird hier nicht aufgezogen. Sobald die letzte Brut aus diesen Waben geschlüpft ist, werden die Waben auch nicht mehr von den Bienen belagert.

 

Absperrgitterschied in der Top-Bar-Hive

 

 

Beim Wandern (Transport von Bienenvölkern) halten zwei untergedrahtete Leisten den Gitterboden frei und sorgen für eine ausreichende Belüftung. Diese wurden mittlerweile durch angeschraubte Leisten ersetzt.

 

Bitte der Größe nach aufstellen

 

Beim Vergleich der Wabengrößen habe ich die Außenmaße mit dem Innenmaß der Oberträgerbeute im Querschnitt verglichen. Genau genommen hätte man, bei den Rähmchen die Holzstärke und bei der Oberträgerwabe die Wabengassen unten und an der Seite abziehen müssen. Ich denke, dass sich so ein glaubhafter Vergleich herstellen lässt. Da eine rechteckige Wabe und eine vollständig ausgebaute Oberträgerwabe jeweils ein Trapez bilden, aber nicht jedes Trapez auch ein Rechteck ist, habe ich zur Flächenberechnung alle Größen als Trapez errechnet. Es ist sehr klar zu erkennen, dass sich die Oberträgerwabe genau in der Mitte bewegt und somit einen guten Mittelweg darstellt.

Tabelle mit Vergleichsdarstellungen

Carpe Diem

Durch den Neubau von zwei Beuten konnte ich den ersten Kasten für ein paar Tage austauschen und regenerieren. Eine Chance die sich lohnte. Neben Notwendigen habe ich die dreieckigen Fluglöcher durch größere, runde Bohrungen ersetzt und ein Schaufenster mit Klappe eingebaut. Dieser Einblick freut Kinder und Gäste.

 

 

 


Nachts ist kälter als draußen...

und deshalb machen wir dicht. Mit einem passendem Stück Pappkarton (mehrlagig mit Wellpappeninnenprofil) wird das Schaufenster im Winter verkleidet, um die Kälte draußen zu lassen.

mit Pappe vor dem Fenster läßt es sich im Winter aushalten.

 

Man kann die Bienen auch in einem Pappkarton halten (R. Bruchhäuser)

Über die richtige Form und das richtige und einzig richtige Material für Bienenkästen wird viel gestritten. Dabei habe ich mich für Holz entschieden. Holz ist ein natürlicher Werkstoff der durch Sonnenenergie aufgebaut wird, regional vorkommt, sich leicht verarbeiten lässt, Feuchtigkeit abgibt, formstabil ist, keinen Fremdkörper im Wald darstellt, leicht verfügbar ist und kompostiert oder verbrand werden kann. Dies hat jedoch nicht viel mit den Bienen zu tun. Bienen sind anpassungsfähige Höhlenbrüter. Dies gilt genauso für die Form der Höhle als auch für deren Material. Bienen schauen nach dem Volumen, damit sie genug Platz haben, ein Nest anzulegen. Sie prüfen die Lage des Eingangs, um Luft- und Wärmezirkulation sicherstellen zu können und sie bevorzugen Eingänge, die sich über der Erde befinden, um vor Feinden besser geschützt zu sein, sowie Eingänge die zur Sonne zeigen, um dem Wetter weniger trotzen zu müsse. Fremde Gerüche können zwar stören und zum Beispiel Wachsgeruch kann anlocken, aber die Bienen wären nicht so erfolgreich als Wild- und Haustier gewesen, wenn sie nicht mit einer Felshöhle im warmen Gebieten genauso zurecht kämen, wie mit Baumhöhlen in Deutschland. Dabei bieten beide durch das Erdreich oder den Baumstamm Schutz und Isolierung. Da Wärme nach oben steigt, ist auch verständlich, warum Bienen den Eingang weiter unten bevorzugen. Was auf dem Boden passiert ist Bienen ziemlich egal, da sie nach unten nicht anbauen. Zusammen mit dem lackartigen, desinfizierenden Überzug aus Kittharz, machen Bienen aus fast jedem Loch eine sauberes, duftendes Eigenheim. Jemand der sein Haus nicht selbst baut, muss sich eben an das anpassen, was er findet. Dies gilt für Einsiedlerkrebs, Mieter oder Honigbiene. Dem Augenschein nach fallen gemauerte, tönerne Bienenkästen oder auch solche aus Kunststoffen oder Beton eher unter solche die Felshöhlen ähneln, während solche aus Holz, Stroh, Flechtwerk oder Pflanzenstängeln wieder eher Baumhöhlen gleichen sollten. Die Diskussion ist also müßig. In Afrika werden Top-Bar-Hives sehr erfolgreich aus Beton gebaut. Dort gilt, dass diese gut hitzeisolierend, haltbar, diebstahlsicher, feuerfest, sicher vor Termiten leicht zu reinigen und zu desinfizieren sind. Außerdem kann Holz anderswo sehr kostbar sein. (In Deutschland könnte sich auch die Verwendung von Holzbeton anbieten, um eine dauerhafte, stabile Beute zu bauen. Allerdings ist die Handhabung dann unter Umständen eine richtig "schwere" Sache.)
Durch die Verwendung von Drahtgitterböden haben sich viele Nachteile von Materialien wie Beton oder Styropor ergeben, da immer ein ausreichender Luft- und Feuchtigkeitsaustausch stattfindet. Bei sperrigen Beuten wie der Oberträgerbeute hat Holz einen großen hygienischen Vorteil. Eine Holzbeute kann mit einer offenen Flamme desinfiziert werden. So große Bienenkästen passen nur sehr bedingt in Laugenbäder, was die Alternative bei Kunstsoffmagazinen wäre.